Martin Rinck Finanzkommunikation

Crowdfunding

Projekte erfolgreich finanzieren – mit Crowdfunding

Die berühmten drei F der Anfangsfinanzierung – Family, Friends & Fools. Ist der Familien- und Freundeskreis ausgereizt, macht sich die Finanzierung des Projekts auf die Suche nach neuen Kanälen: Crowdfunding ist eine attraktive Option. Doch was kann Crowdfunding wirklich?

Was Crowdfunding ist

Ein Projekt durch die breite Masse finanzieren lassen? Crowdfunding tut genau das. Als innovativer Weg der Kapitalaufnahme repräsentiert Crowdfunding eine Form der Schwarmfinanzierung über ein Finanzmarketing-Network, die sich das Massenprinzip zu Nutze macht: Viele Klein- und Kleinstbeträge von einer großen Gruppe Personen – der Crowd – einzusammeln und so eine Gesamtsumme und ein größeres Finanzierungsziel zu erreichen. Bei Crowdfunding handelt es sich um eine zweckgebundene unternehmerische Finanzierung oder gemeinnützige Finanzierung in Form von:

- Crowd- bzw. Fansponsoring für Vereine,
- Socialsponsoring für Hilfsorganisationen,
- Politicalsponsoring bei Wahlen (wie Obamas Online Crowdfunding, das ein historisches Spendenaufkommen erreichte).

Das so generierte Kapital dient der Finanzierung von Hilfsaktionen, größeren Anschaffungen oder genau definierten Investitionen: Crowdfunding verknüpft Ideen der Finanzierung aus der Mikro Finanzierung, von Venture-Kapital-Marktplätzen und Online-Kreditbörsen.

Das Prinzip lautet: Was ist einfacher? Einen finanzkräftigen, risikofreudigen Kapitalgeber für die Finanzierung von 500.000 Euro zu gewinnen oder zehntausend, die den gleichen Betrag der Finanzierung risikolos in Kleinbeträgen leisten? Im Bereich der Unternehmensfinanzierung redet man von Capital Raising (Kapitalbeschaffung); Crowdfunding geschieht über Beteiligungskapital mit Erfolgsvergütung und mittels vergleichsweise niedrigen Einmal- bzw. Rateneinlagen ab etwa 500,- Euro, So gelingt die Finanzierung einer geplanten Investition über Minigelder.

Einnahmen – z. B. aus Kinofilmen – verwandeln sich in Investitionen in gemeinnützige Organisationen: Jeder der Geldgeber entscheidet, wen er unterstützen möchte. Auch Crowdfunding als ausschließliche Spendenaktion gemeinnütziger Organisationen ist möglich – immer werden liquide Mittel beschafft. In Deutschland muss das Gewerbeamt die Spendensammlung genehmigen. Gewerbliches Crowdfunding wird durch die Kapitalmarktaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt – für den Fall, dass mehr als 100.000 Euro das Ziel sind oder wenn es maximal 20 Kapitalgeber für eine spezifische Finanzierung gibt – bei dann unbeschränkter Summe.

Crowdfunding – eine amerikanische Entdeckung

2006 bot eine Plattform Künstlern die Chance, die Vorab Finanzierung ihrer Alben in die Hände ihrer Fans zu legen – kein Fundraising im klassischen Sinne. Geldgeber erhielten im Anschluss das fertige Album als direkte Gegenleistung. Als weitere Dankeschöns haben sich seit 2009 Medialeistungen im Rahmen von Sponsoring, Kulturförderung (CSR), Spendenquittungen oder auch Gewinnbeteiligungen etabliert – von emotionaler Teilhabe und internen Exklusiv-Informationen durch die Finanzierung ganz abgesehen.

Wie Crowdfunding funktioniert

Finanzierung via Crowdfunding – auch in Deutschland im Trend. Kapitalsuchende Firmen beschaffen über Crowdfunding-Plattformen Kleinbeträge vieler Anleger, um ihr angestrebtes Finanzierungsvolumen zu erreichen. Regelmäßige Investorbriefe sind unterwegs, um Anleger und Investoren für eine Finanzierung zu akquirieren. Doch nicht nur kleinere Start-Ups – auch Schriftsteller und Sportler präsentieren ihre Projekte für einige Wochen umfassend mit Fotos, Videos und Berichten im Netz, um viele kleine Geldgeber anzulocken. Jede Plattform hat spezifische Schwerpunkte – und zuweilen beurteilen auch Experten aus Investment und Venture-Capital den Wert eines Businesskonzepts: Schneidet es gut ab, bekunden Investoren ihre Bereitschaft, die Finanzierung mitzutragen. Allerdings stehen hohe Bewertungen (Selbsteinschätzungen) von Start-Ups in direktem Zusammenhang mit dem Wert der jeweiligen Anteile – und somit der Mindest-Investitionshöhe: Dieser Optimismus der Jungunternehmer muss auch durch die (Mikro-)Investoren geteilt werden.

Ein erfolgversprechendes Projekt in der Schublade? Alles, was Sie tun müssen, ist, Ihr Projekt anschaulich zu beschreiben, Investitionssumme und -zweck zu nennen sowie das zu erwartende Dankeschön schmackhaft zu machen. Während Ihr Projekt eine gewisse Zeit auf der Crowdfunding Plattform zu sehen ist, machen Sie es auch darüber hinaus – z. B. über Facebook & Co. – bekannt. Denn: Nur wenn die komplette Summe erreicht wird, wird auch das Geld ausgezahlt. Bis zu zehn Prozent der Spenden gehen allerdings an die Plattformbetreiber, und nach erfolgreichem Start belohnen Sie Ihre Crowd mit den vereinbarten Dankeschöns. Im Kulturbereich bedeuten 5 Euro vielleicht eine persönliche Signatur des Künstlers, 50 Euro eine Einladung zur offiziellen Release-Party oder 100 Euro den Backstage-Zugang – Dankeschöns, über die man spricht – und so weitere Investoren für eine Finanzierung anlockt.

Finanzierung via Crowdfunding – (noch) mit Tendenz

Der Fokus liegt eindeutig noch auf kulturellen Projekten. Kein Wunder, denn die deutsche Kulturlandschaft ist bislang zu 90 Prozent (8 Milliarden Euro) von öffentlicher Förderung abhängig, Tendenz jedoch rückläufig. Die übrigen 10 Prozent werden über Sponsoring, Spenden und Stiftungen generiert. Technische Möglichkeiten erlauben eine immer günstigere Produktion vieler Kulturprojekte, während Marketinginstrumente wie Facebook & Co. die Promotion von Projekten erleichtern.

Nichts liegt also näher, als dass Projektinitiatoren die Finanzierung ebenfalls selbst in die Hand nehmen. Ein weiterer Vorteil von Crowdfunding: Sie können einschätzen, wie gut sich ein fertiges Produkt verkauft und haben so die Möglichkeit, Labels oder Verlage vom Potenzial Ihres Projektes zu überzeugen – seine Akzeptanz lässt sich in Echtzeit online abrufen. Projektinitiatoren können nicht nur auf Impulse ihrer Zielgruppe reagieren, sondern sie auch direkt auffordern, das Projekt weiterzuempfehlen. Denn Empfehlungen liegen im ureigenen Interesse der Investoren: Erst wenn der Gesamtbetrag erreicht ist, wird das Budget auch ausgezahlt. Also helfen alle mit, das Ziel am besten noch vor Ablauf der Deadline zu erreichen.

Worin liegt die ureigene Faszination von Crowdfunding? Finanzierung über Crowdfunding trifft einen Nerv: Selbst die kulturelle Landschaft mitgestalten oder wegweisende Projekte auf den Weg zu bringen, erweist sich zunehmend als Bedürfnis, im Rahmen des individuellen Budgets – selbst mit dem sprichwörtlichen einen Euro – sichtbare Spuren zu hinterlassen. Als Gegenleistungen locken weniger Gewinnbeteiligungen als vielmehr Dankeschöns oder Sachleistungen – und vor allem kein Beteiligungsverhältnis: Ein offensichtlicherer Unterschied zu klassischen Formen der Unternehmensfinanzierung ist kaum denkbar.